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Charlotte Sieber

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Objektkästen

Von einer Welt, die sich in Kreisen dreht.
In der Philosophie des alten Indien ist der Gedanke vom ewigen Kreislauf und dem Rad des Lebens zuerst formuliert. Zu Beginn der Neuzeit tritt dann der Gedanke einer immerwährenden Kreisbewegung auch im christlichen Abendland auf: Die Beobachtung des Kopernikus von der Kreisbewegung himmlischer Gestirne fällt zusammen mit der Erfindung der mechanischen Uhr. In dieser Zeit beginnt auch die Rede von der "Welt als Uhr". Das Denk- und Sprachbild von der "Welt als Uhr" meinte eine Welt, die so überlegt konstruiert ist wie eine Uhr und in gleicher harmonischer Bewegung funktioniert. Bald wird selbst Gott, der, alles nach "Maß, Zahl und Gewicht" (Sprüche Salomons) geordnet hatte, zum Weltuhrmacher erklärt, die Schöpfung zu einer einmal gebauten und aufgezogenen Uhr.
Den Menschen erschien dann im 17. und 1B.Jahrhundert eine Welt, deren Ablauf ebenso wohlgeordnet war wie der einer Uhr, ein Staat, der ebenso präzise wie ein Räderwerk ablief, als Ideal. Erst im Jahr 1775 fasste die Französische Akademie der Wissenschaften in Paris den Entschluss, Lösungsvorschläge des Problems " irgendeiner Mechanik, von der angekündigt wird, sie zeige immerwährende Bewegung", nicht mehr zu prüfen. Trotzdem galt bis ins 19.Jahrhundert das Perpetuum mobile als Idealzustand eines perfekt laufenden Systems.
Die mechanische Uhr und geometrische Instrumente erklärten die Welt im Messen und durch Mechanik. Mit Maschinen versuchte der Mensch, die Schöpfung nachzugestalten - mit den astronomischen die des Kosmos, mit den figürlichen Automaten das Leben selbst. Die Faszination von mechanischen Räderuhren und künstlich ge-
staltetem Leben spiegelt sich noch in mechanischen Miniaturtheatern, dem Theatrum Mundi (lat. Welttheater) des 19.jahrhunderts. Diese zeigten bunt bemalte Figuren aus Blech, die auf Laufschienen über die Bühne gezogen wurden, während Räderwerke und raffinierte Mechanik sie bewegten. Den Zuschauern präsentierten die kleinen Theater einen Blick in die Welt.
Wenn wir heute'noch vom "Lauf der Gestirne", vom "Auf und Ab des Lebens", vom "Räderwerk", von dem wir ein Teil sind und das uns "antreibf"·reden, so sind das keine oberflächlichen Vergleiche, sondern Nachhall und bis heute wirkende Faszination eines mechanischen Weltbildes und der Kreisläufe, die wir täglich leben
und erleben.